Ernst Ludwig Rosenthal
Vita
(RS) Heirat 17 Oct 1940 Wiesbaden, Hessen: Agathe Ackermann 1903–1942
(GB-BA) Rosenthal, Ernst L.
geboren am 18. April 1904
in Wiesbaden/Hessen-Nassau
wohnhaft in Schwalbach, Bad und in Wiesbaden
Internierung/Inhaftierung 16. November 1938 - 05. April 1939, Dachau, Konzentrationslager
Deportation 10. Juni 1942, Majdanek, Konzentrationslager
Todesdatum 24. Juli 1942
Bemerkungen
(RS) Vater Moritz Rosenthal 1869–1929
Mutter Mathilde Rosenthal geb. Baer 1877–1938
Ehefrau Agathe Rosenthal geb. Ackermann 1903–1942
Biografie
(W) Ernst Ludwig Rosenthal, wie er mit vollem Namen hieß, war am 18. April 1904 in Wiesbaden geboren worden. Durch seine Mutter Mathilde Baer war er eingebunden in eine der alteingesessenen und weit verzweigten jüdischen Familien Wiesbadens, die auch im Geschäftsleben eine bedeutende Rolle spielten. Mathilde Baer, geboren am 11. August 1877, war das älteste von insgesamt fünf Kindern von Leopold Baer und seiner aus Heilbronn stammenden Frau Beate Ullmann. (...)
Nachdem Rosa Baer Deutschland verlassen hatte, war Ernst Rosenthal, der Sohn von Moritz und Mathilde Rosenthal, der letzte Nachkomme der Geschwister Baer, der noch in Deutschland verblieben war. Allerdings ist nicht sicher, ob er auch die ersten Jahre der NS-Diktatur in Wiesbaden erlebte, denn im Jüdischen Adressbuch von 1935 ist er nicht aufgeführt, auch nicht unter der Adresse seiner damals noch lebenden Mutter in der Dotzheimer Str. 10. Laut Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz war er zwischenzeitlich in Bad Schwalbach gemeldet. (...) Bis zum 12. August 1937 war er Inhaber eines Geschäfts – unklar ist, ob in Wiesbaden oder Schwalbach -, das zu diesem Zeitpunkt an den Wiesbadener Paul Christ verkauft, sprich arisiert wurde. Um welche Art von Geschäft es sich dabei handelte, ist nicht bekannt. (...)
Inzwischen war er – möglicherweise wegen seiner geringen finanziellen Mittel – im September 1940 in die Rheingauer Str. 6II gezogen. Wahrscheinlicher ist aber, dass es sich hier um einen erzwungenen Umzug handelte, denn das Haus in der Rheingauer Str. 6 war inzwischen zu einem Judenhaus geworden. Bei Ludwig Landau wohnte er dort für ein knappes Vierteljahr zur Untermiete. Wie in vielen anderen Fällen ergab sich auch für ihn noch einmal die Möglichkeit, der Enge im Judenhaus zu entkommen. Am 11. Dezember 1940 zog er in die Geisbergstr. 16. Der Hintergrund dieses erneuten Wohnungswechsels war seine am 17. Oktober 1940 in Wiesbaden geschlossene Ehe mit Agathe Ackermann, die mindestens seit 1939 in der Geisbergstraße als Hausangestellte von Moritz Freund gewohnt hatte. Am Tag vor diesem Umzug war deren ältere Schwester Berta Clementine Ackermann, verheiratete Henlein, aus dieser Wohnung ausgezogen in der sie – so der Eintrag auf ihrer Gestapo-Karteikarte – seit dem 15. Mai 1939 gewohnt hatte. Die Geisbergstraße war ihre letzte Wohnung in Deutschland vor ihrer Auswanderung nach Argentinien. (...)
Am 10 Juni waren beide aus der Frankenstr. 15 über Frankfurt „nach dem Osten“ deportiert worden. In Lublin wurden sie aller Wahrscheinlichkeit getrennt. Ernst Rosenthal wurde auf der Rampe in Lublin als „arbeitsfähig“ eingestuft und zum Arbeitseinsatz nach Majdanek geschickt wurde, wo er nach nur vier Wochen am 24. Juli 1942 ums Leben kam. Seine Frau wurde unmittelbar nach der Ankunft in Lublin in das Vernichtungslager Sobibor überführt und ermordet. Ihr Todestag wurde gerichtlich auf den 8. Mai 1949 festgelegt.
HHStAW 469/33 2902 (3). Siehe auch den Eintrag im Häftlingsbucg von Majdanek, nach dem er die Häftlingsnummer 11291 trug, siehe Majdanek 1942, The Book of Prisoner Death, Lublin 2004.
Q: https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/frankenstr-15/ernst-und-agathe-rosenthal-geborene-ackermann