Helene Amalie Kugler (Bermann)

Status:
Überlebend
Geschlecht:
weiblich
Geburtsname:
Kugler
Genannt:
-
Alias:
-
Geburtsdatum:
09. Februar 1904
Ort der Schädigung:
Todesdatum:
22. März 1998
Verstorben in:
Signatur LEA:
10786, 10787
Ehepartner:
Hochzeit:
Nicht bekannt
Mutter:
Vater:
Geschwister:
Nicht bekannt
Kinder:
*Aufgrund rechtlicher Bestimmungen ausgeblendet

Vita

(LEA) Verkäuferin; Hausfrau
Bermann, Helene Amalie, geb. Kugler, geb. 09.02.1904 in Saarbrücken-Gersweiler, Verkäuferin, Ehefrau eines Juden, 1935 Emigration nach Frankreich, 1944 Leben in der Illegalität, 1947 Remigration ins Saarland
Wohnort als Antragsteller Saarbrücken-Gersweiler
evangelisch
LEA 6052 mit Sohn Richard Bermann bis 1944 auf der Flucht
(HA) domiciliée à Juan-Les-Pins (Alpes Maritimes), 7 rue de la gare, résidant en notre ville [Dijon] 8 rue des fleurs
(SZ 14.10.2010) über Dijon nach Südfr. geflohen
illegal bei Clairac nahe Toulouse
Ehemann als caporal chef bei den FFI
mit dem Sohn in Gurs interniert
Ende 1942 auf Zugfahrt nach Drancy geflohen
bis Kriegsende versteckt auf einem Bauernhof bei Castres (Tarn)
1947 zurück nach Saarbrücken
(SZ 02.06.2021) zwei Monate in Gurs interniert als "feindliche Ausländerin"
(Mk-Gw) Verkäuferin, ev., ledig
G[ersweiler] Schulstr. 6 [Eltern]
(EMV)) – 30.07.1988 Schulstraße 9, 66128 Saarbrücken Gersweiler
30.07.1988 Breslauer Straße 19, 66121 Saarbrücken Eschberg

Helene Amalie Bermann geb. Kugler ist evangelisch geboren, konvertierte aber nach ihrer Heirat mit Friedrich Bermann am 13.11.1935 in Dijon zum Judentum (Auskunft Richard Bermann).

Bemerkungen

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Biografie

(G40) Bermann, Helene Amalie, geborene Kugler
* 09.02.1904 in Gersweiler; ✡ 22.03.1998 in Saarbrücken
Familienstand: verheiratet
Beruf: Verkäuferin
Religion: israelitisch
Biografie:
Bermann, Helene Amalie, geb. Kugler, *09.02.1904 Gersweiler, verstorben 22.03.1998
Saarbrücken, evangelisch, nach 1969 zum israelitischen Glauben konvertiert; Heirat
13.11.1935 in Dijon mit Friedrich Bermann, Bankangestellter, Prokurist, Kaufmann,
*15.12.1904 Ludweiler, verstorben 22.08.1972. Sohn: Richard Bernard, *Sommer 1941
Agen/Departement Lot-et-Garonne. Helene Amalie Bermann lebte bis zu ihrer Emigration
in Gersweiler, Schulstraße 6, und arbeitete seit 1930 als Verkäuferin für Konfektionswaren
und Textilien in der Saarbrücker Bahnhofstraße in den Kaufhäusern „Israel“, „Weil & Söhne“
und zuletzt im Kaufhaus Stühler. Am 13.03.1935 erfolgte die Emigration nach Forbach,
Straßburg und von dort nach Dijon. Wie aus der Heiratsurkunde hervorgeht, war Helene
Bermann in Juan-Les-Pins gemeldet. Am 13.11.1935 heiratete sie ihren Verlobten Friedrich
Bermann in Dijon, der aufgrund rassischer Verfolgung nach Frankreich emigrieren musste.
Sie war 1935 mit ihm emigriert, da auch sie aufgrund dieser Verbindung angefeindet wurde.
Vom 01.01.1936 bis 01.04.1940 betrieb das Paar ein Marktgeschäft für Textilien in Dijon
und wohnte in der 8, rue des Fleurs.
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich floh das Paar in die unbesetzte Zone
Frankreichs. Helene Amalie Bermann war als „Feindliche Ausländerin“ vom 27.05. bis
20.06.1940 im Lager Gurs interniert. Ihr Ehemann wurde in den Lagern Le Vernet und Catus
interniert; ab dem 01.10.1940 wurde er als Prestatär (= von der Vichy-Regierung zur Arbeit
verpflichteter Internierter) in das 308. GTE (= Groupement de travailleurs étrangers, Arbeitseinheit
ausländischer Arbeiter) in Agen eingegliedert und in der Land- und Forstwirtschaft
eingesetzt.
Helene Amalie Bermann arbeitete nach ihrer Entlassung während eines Zwangsaufenthaltes
vom 21.06. bis zum 01.10.1940 in Goès bei Oloron-Sainte-Marie in einem Hotel als
Küchenhilfe und Zimmermädchen. Ab dem 01.10.1940 lebte sie in Agen. Im November 1940
kehrte sie nach Dijon, das in der besetzten Zone Frankreichs lag, zurück, um den bei Bekannten
untergestellten Hausstand der vormaligen Wohnung zu sichern. Jedoch war diese
Wohnung geplündert und aufgelöst, so dass davon nichts mehr vorhanden war. Am
13.12.1940 erhielt sie den Befehl des Rückführungsbeauftragten der Waffenstillstandskommission,
sich am 20.12.1940 in Chalon-sur-Saone, an der Grenze zur besetzten Zone
Frankreichs, zum Rücktransport nach Deutschland einzufinden. Sie kehrte jedoch nach
Agen in die unbesetzte Zone zurück. Im Sommer 1941 wurde ihr Sohn Richard in Agen
geboren. Vom 10.09.1941 bis zum 28.02.1943 war ihr Ehemann im Arbeitslager Tombebouc
zugeordnet. Die Familie lebte in Clairac. Als Friedrich Bermann in der Nacht vom
28.02./01.03.1943 festgenommen und deportiert werden sollte, gelang ihm die Flucht.
Nachdem er mehrere Wochen versteckt mit falschen Papieren in der Umgebung von Clairac
gelebt hatte, hielt er sich vom 01.04.1943 bis zum 15.06.1944 auf einem Bauernhof in Ferrières,
Departement Tarn versteckt und arbeitete dort in der Landwirtschaft. Helene Bermann
war nach der Flucht ihres Ehemannes1 einige Tage danach nochmals von einem in
ihre Wohnung zurückgekehrten Gendarm sexuell bedrängt worden, wobei das Eingreifen
von Nachbarn eine Gewalttat verhinderte. Sie blieb mit ihrem Sohn in Clairac bis sie am
10.01.1944 eine Vorladung zur Gestapo in Toulouse erhielt. Sie versteckte sich daraufhin
vom 15.01.1944 bis zum 20.08.1944 mit falschen Papieren, die ihr der Bürgermeister von
Clairac ausgestellt hatte, zuerst in der Umgebung bei Bauern und gab ihren Sohn in die
Obhut des Ortspfarrers.2
Danach floh sie mit ihrem Kind auf einem Bauernhof in Ferrières, Departement Tarn, wo
sich bereits ihr Ehemann aufhielt. Dort blieb sie mit ihrem Sohn bis zur Befreiung und kehrte
21.08.1944 nach Clairac zurück. Ihr Ehemann hatte sich Anfang Juni 1944 der Résistance
angeschlossen und war darauf der FFI3 (= Forces francaises de l'intérieur, Dachorganisation
der Widerstandsgruppen in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs) eingetreten. Nach
der Befreiung arbeitete er bis Ende 1945 für die Französische Armee als Dolmetscher in
Gefangenenlagern in der Region Toulouse. 1946 war er wieder als Markthändler tätig. Die
Familie kehrte am 05.11.1947 nach Gersweiler zurück. Das Paar führte dort seit 1947 ein
Textilwarengeschäft, das 1967 aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben wurde. Helene
Bermann verstarb 1998 in Saarbrücken. Friedrich Bermann war bereits 1972 dort verstorben.4


Quellen:
(1) Landesarchiv Saarbrücken, Landesentschädigungsakte 10786, 10787
(2) Landesarchiv Saarbrücken, Landesentschädigungsakte 10787, Blatt 32/Blatt 33
(3) Landesarchiv Saarbrücken, Landesentschädigungsakten 18374, 18375, 18376
(4) Weiterführende Informationen zur Familiengeschichte: Dieter Gräbner: In Viehwaggons
nach Auschwitz. In: Saarbrücker Zeitung, Nr. 239, 14.10.2010, Ausgabe Saarbrücken, C8;
Bernhard Geber: Familie Bermann floh aus Ludweiler. In: Saarbrücker Zeitung, Nr. 57,
07.03.2012, Ausgabe Völklingen, C4; Dietmar Klostermann: Als der kleine Richard vor den
Nazis floh. In: Saarbrücker Zeitung, 08.05.2020, B3; Richard Bermann über seine Familiengeschichte
und das Lager Gurs: https://www.regionalverband-saarbruecken.de/mahnmal/

Q: https://gurs.saarland/index.php?id=44&uid=202&name=Bermann-Helene-Amalie-geb.-Kugler