Rosa Zeimann (Baer)
Vita
(RS) Heirat 12 Sep 1913 Frankfurt am Main, Hessen: Leopold Baer 1882–1938
(ML) Rosa Baer, geborene Zeimann
02.07.1889 in Crimmitschau / Zwickau / Sachsen
Verfolgungsgrund: rassisch
Emigrationsdatum Argentinien gleich Ankunftsdatum. (Bundesarchiv)
Aufenthalt: Wiesbaden, Stkrs. Wiesbaden, Provinz Hessen-Nassau, Deutsches Reich
Emigration 13.03.1939 nach: Paraguay
Emigration 01.05.1939 nach: Argentina
Bemerkungen
(RS) Vater Simon Zeimann 1848–1918
Mutter Adele Zeimann geb. Gottheil 1855–1942
Geschwister:
Margarethe Zeimann 1879–1973
Luise Zeimann 1881–1966
Hugo Leonhard Zeimann 1884–1917
Georg Zeimann 1887–1917
Ehemann Leopold Baer 1882–1938
Tochter Ilse Baer 1915–1980
(W) Sohn Hansgeorg Baer ~ 1925
Biografie
(W) (...) Am 12. September 1913 heiratete er Rosel / Rosa Zeimann, die ursprünglich aus Crimmitschau in Sachsen stammte, Dort war sie am 2. Juli 1889 geboren worden. Die Ehe wurde in Frankfurt geschlossen, wohin ihre Eltern Simon und Adele Zeimann um 1890 gezogen waren. Zeimanns besaßen vor der „Machtergreifung“ ein sehr gut gehendes Engros- und Detail Etagengeschäft für Manufaktur- Weiss- und Wollwaren in zentraler Lage gegenüber der früheren Hauptmarkthalle, das nach dem Tod von Simon Zeimann im Jahr 1915 von dessen Sohn Walter weitergeführt wurde.
Ihre Wohnung nahmen Leopold und Rosa Baer aber in Wiesbaden, zunächst in der Goethestr. 8 II, ab 1927 in der Mosbacher Str. 36. Ihre letzte Anschrift An der Ringkirche 7 ist erstmals im Adressbuch von 1936/37 eingetragen.
Zurückgeblieben war Rosa Baer. Ihren Sohn Hansgeorg hatten die Eltern noch retten können, indem sie ihm einen Platz für einen der ersten Kindertransporte verschafften. Später trafen sich Mutter und Kinder in Buenos Aires wieder, wohin Hansgeorg und auch seine fast zehn Jahre ältere Schwester Ilse später gelangt waren. Sie wohnte schon 1935 nicht mehr in Wiesbaden. Wann sie, inzwischen eine verheiratete Stein, Deutschland verlassen hatte und auf welchem Weg sie nach Buenos Aires gelangte, ist nicht bekannt.
Bevor auch ihre Mutter die Ausreise antreten konnte, wurde sie noch um ihre letzten finanziellen Mittel gebracht. Auch sie wurde zur Zahlung der Judenvermögensabgabe für sich und ihren verstorbenen Mann herangezogen, die sie zum Teil bar, zum Teil durch den Verkauf von Wertpapieren begleichen konnte. Im März 1939 hatte sie ihren Schmuck und andere Edelmetalle abzugeben, deren Wert mit 457 RM viel zu gering taxiert worden war.Zur Finanzierung der Ausreise wäre sie eigentlich auf alle nur möglichen Mittel angewiesen gewesen, denn allein die Fluchtsteuer belief sich auf 7.800 RM. Im März 1939 verließ dann auch sie Deutschland von Hamburg aus mit dem Schiff „Antonio Delfino“ in Richtung Südamerika. Sie war durch ein neues Gesetz gezwungen, sowohl die Hin- wie auch die Rückreise zu buchen, falls ihr Zielland nicht zur Aufnahme bereit wäre. Ihr erstes Ziel war Montevideo, die Hauptstadt von Uruguay. Von dort ging es mit einem Flussdampfer weiter nach Paraguay. Die Kosten der Ausreise, für Hotels, Visen, Bordgeld, den Lift des Gepäcks schätzte sie selbst auf knapp 2.000 RM. (...)
Rosa Baer, der das Geld eigentlich zustand und die es auch dringend benötigt hätte, beschrieb ihr Leben im argentinischen Exil, wohin sie wohl über Paraguay zuletzt gelangt war, als sehr „kümmerlich“. Mit Gelegenheits- und Heimarbeiten bestritt sie die erste Zeit. 1941 erhielt sie eine Anstellung als Haus- und Kindermädchen bei freier Kost und Unterkunft. Aber sie hatte überlebt und sogar das Glück, dass beide Kinder in ihrer Nähe waren.
Q: https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/frankenstr-15/ernst-und-agathe-rosenthal-geborene-ackermann